Autonomieaufstellungen – wozu? Und was ist da anders?

Das Format der Autonomieaufstellungen wurde von Dr. Ero Langlotz entwickelt. Er nennt diese Aufstellungsform Selbst-Integrationsaufstellungen und hat diesen Begriff sich rechtlich schützen lassen. In den letzten zwei Jahren habe ich viele Interventionen von Dr. Langlotz übernommen, da sie sich in der Aufstellungspraxis sehr bewährt haben. Ich nehme an einer Fortbildungsreihe bei Dr. Langlotz teil – für meine eigene Entwicklung und für die Weiterentwicklung meiner Arbeit.
Hier erkläre ich kurz die guten Gründe für dieses Format, gehe etwas auf den Inhalt ein und beschreibe Ihren Gewinn den Sie mit Hilfe dieses Aufstellungsformates erleben können. Zum Schluss gehe ich auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Gewaltfreien Kommunikation ein.

Grundannahmen zum Menschenbild der Autonomieaufstellungen

Die Aufstellungen gehen von einem positiven Menschenbild aus. Dazu gehört, dass jeder* Mensch

  • durchschnittlich gesund sein kann,
  • ein Leben leben kann, das sinnvoll ist und Freude macht,
  • in der Lage ist, einen Beruf auszuüben, der für ihn erfüllend ist,
  • eine überwiegend glückliche und erfüllende Partnerschaft leben kann.

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  • dass jeder Mensch seinen Wert in sich hat. Diesen Wert kann nichts von außen erhöhen oder schwächen. Das bedeutet, dass dieser Wert unabhängig davon ist, ob sie/er gebraucht wird oder nicht. Unabhängig von Erfolg oder Misserfolg, von materiellen Gütern und unabhängig davon, wie andere über uns denken.
     
  • dass jeder erwachsene Mensch Konflikte in der Familie, auf Arbeit und unter Freunden gelassen und souverän klären kann.
     
  • Einschränkungen bzw. Blockaden entstehen durch eine Trennung und Entfremdung von uns selbst. Das heißt, wir sind nicht in Verbindung mit den in uns angelegten Fähigkeiten, wie Urvertrauen, Gelassenheit, Gesundheit, Kraft und Liebe usw. Das Potential dazu ist jedoch in jedem (!) Menschen weiterhin vorhanden. Durch Verlust-, Gewalt-, Einsamkeitserfahrungen und starkem Anpassungsdruck in unserer Kindheit haben wir die Verbindung zu uns selbst verloren. Mit Hilfe von Autonomieaufstellungen werden diese Blockaden identifiziert, aufgelöst und die Verbindung zu unseren Potentialen (zu uns selbst) wieder hergestellt.

* Mir ist bewusst, dass dies für Menschen mit einem Handicap sehr gewagt, vielleicht sogar zynisch klingen mag. Es gibt jedoch auch die Beobachtung, dass es Menschen gibt, denen das Schicksal sehr Schweres zugemutet und abverlangt hat und die dennoch eine große Lebenskraft und Heiterkeit ausstrahlen. Aus meiner Sicht ist es ihnen gelungen, ihr Schicksal und damit sich selbst, anzunehmen, wie sie sind. Durch diese Zustimmung erfahren sie eine Kraft, die für Außenstehende vermutlich ein Geheimnis bleibt. Wer jedoch diese Erfahrung gemacht hat, weiß, dass sich plötzlich ungeahnte Türen öffnen. Genau diese Erfahrung ist auch ein wichtiger Aspekt in einer Autonomieaufstellung.

Eine Autonomieaufstellung bewirkt, dass wir uns klarer abgrenzen können!

Und das ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle, denn die Fähigkeit zur Abgrenzung ist eine natürliche Fähigkeit, um selbstbestimmt leben zu können.

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Erst dann können wir auf Augenhöhe in erfüllenden Beziehungen mit anderen leben. Ohne Überabgrenzung und ohne Macht über andere. Statt dessen sehen und achten wir die eigene Würde und die Würde des anderen.

Ohne diese Fähigkeit sind wir mit unserer Aufmerksamkeit mehr bei anderen (Eltern, Partner, Kollegen, Kinder, mit denen wir es gerade zu tun haben). Fragen, wie, „Was erwarten sie?, was denkt sie über mich?, wie wirke ich auf ihn?, was soll ich tun?, kann ich mich hier sicher fühlen?, bin ich ihm gewachsen?“ sind sofort da und oft unbewusst.

Mit der Fähigkeit zur Abgrenzung, geben wir uns selbst eine innere Sicherheit. Wir stehen zu uns selbst! Die Sprachlosigkeit in Konfliktsituationen, wo dann viel später die tollen Ideen kommen, was man hätte sagen können, verliert sich. Es ist wichtig, dass wir eine gesunde Abgrenzung unterscheiden zur Nichtabgrenzung (Symbiose) und zu einer Überabgrenzung.

Wer diese Fähigkeit besitzt hat es nicht nötig, über andere zu bestimmen oder sie zu manipulieren. Er geht nicht über seine eigenen Grenzen und lässt keine Einmischung in die eigenen Angelegenheiten zu. Neues oder gar Fremdes macht nicht Angst, vielleicht etwas vorsichtig, doch auch sehr neugierig. Denn wir wissen tief in uns, wenn es erforderlich ist, kann ich mich schützen und abgrenzen. In einer Autonomieaufstellung kommen wir mit uns selbst, mit unserem unendlichen Wert, unserer eigenen inneren Wahrheit und Kraft in Verbindung. Dies löst eine tiefe Entspannung und Selbstvertrauen aus. Eine natürliche Lebensfreude wird zum Grundgefühl im eigenen Leben.

Die Fähigkeit, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu schützen ist erforderlich, damit wir nicht selbst über unsere Grenzen gehen und uns überfordern (in Gefahr bringen, mit zu viel und zu schwieriger Arbeit überfordern). Weiterentwicklung passiert zwar im Grenzbereich, doch dabei ist es  wichtig, dass wir zu jeder Zeit gleichzeitig in unsere Mitte bleiben, um rechtzeitig innehalten zu können.

Sie überträgt sich auch stärkend auf unser Immunsystem. In dem wir uns die Erlaubnis geben, uns selbst mit einer gesunden und kraftvollen Entschlossenheit zu schützen, erhalten auch unsere "inneren Krieger" diesen "Befehl" uns kraftvoll zu schützen.

Verzicht auf Abgrenzung und Vermeidung einer gesunden Aggression als Überlebensstrategie

In unserer Kindheit war eine gesunde Abgrenzung oft nicht möglich. Wir waren einem riesigen Anpassungsdruck ausgesetzt und mussten uns eine Abgrenzung verbieten. Das Nein eines Kindes konnte vom Erwachsenen oft nicht als ein natürlicher und wichtiger Ausdruck seiner Autonomieentwicklung angesehen werden, sondern wurde als Bedrohung der eigenen Autonomie aufgefasst. Wutreaktionen eines Kindes erleben Erwachsene oft als würde die Welt für sie untergehen.

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Nur Erwachsene, die selbst gut abgegrenzt sind, ein gesundes Selbstvertrauen und ihre Autonomie leben, können ruhig, verständnisvoll und bestimmt reagieren und dem Kind Empathie, Orientierung und Klarheit vermitteln. Ihnen ist klar, dass das Nein keine Abwertung oder Angriff gegen sie bedeuten soll, sondern dass es authentisch und ehrlich ist und schon Veranwortung für die eigenen Lebensgestaltung übernehmen will.
Manipulationen, Drohungen, Strafen, Liebesentzug, Beschämungen bis hin zur körperlichen Gewalt wurden und werden dann auch heute noch eingesetzt, um Kinder „zu erziehen“ und ihnen ihre Eigensinnigkeit, Widerspenstigkeit, Frechheit, Wildheit usw. abzugewöhnen.

Die großen Ängste, oft Todesängste, die Verzweiflung, Trauer und Einsamkeit, die dadurch in einem Kind ausgelöst werden, können Erwachsene jedoch oft nicht wahrnehmen. Sie selbst haben dies erleben und verdrängen müssen. Doch die innere Not ist als Trauma im Körper geblieben und wird nun durch die Autonomieversuche eines Kindes wieder ausgelöst. Sie wird jedoch nicht der Not des eigenen inneren Kindes (!) zugeordnet, sondern es wird das Kind im Hier und Jetzt dafür verantwortlich gemacht.  

Um diese Bedrohungen nach Möglichkeit zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren, geben es viele Kinder auf sich abzugrenzen. Sie werden brav und nett. Die Aggression richtet sich dann nach innen (psychosomatische Krankheiten, Leben auf Sparflamme) oder tendieren zum ewigen Rebellen (sehr einsam und anstrengend). Später, im Erwachsenalter, werden dann die unterschiedlichen Verarbeitungsmechanismen immer deutlicher sichtbar, oft kommt es zu Wiederholungen zu den eigenen Kindern. (siehe auch „Merkmale und Folgen eines Traumas“ und „Die Suche nach uns selbst“

Doch Anpassungsdruck ist nur eine Dynamik, durch die Kinder ihre Fähigkeit zur Abgrenzung und damit ihre Autonomie verlieren. Weitere Dynamiken habe ich im nächsten Abschnitt beschrieben.

Ereignisse mit traumatisierender Wirkung

Auch durch die Traumata von Eltern, Geschwister, Großeltern und durch selbsterlebte Gewalt-, Verlassenheits- oder Verlusterfahrungen war eine ausreichende Abgrenzung und damit Selbstschutz und Selbstfürsorge oft nicht möglich .

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Übernommene Traumata
Kriegserlebnisse, Vertreibungen, Hungersnöte und anderes schweres Leid, das Eltern oder Großeltern erlebt haben und sich auf sie traumatisierend ausgewirkt hat, hat auch eine entsprechende Wirkung auf die Nachkommenden. Der damit verbundene Schmerz ist weiterhin anwesend. Kinder spüren (meistens völlig unbewusst) die Not der Eltern und Großeltern, können sich dagegen nicht abgrenzen, sondern versuchen diese mit zu tragen und zu lindern. Doch dies ist immer eine Überforderung und führt zur Trennung von sich selbst.  

Verlusttrauma
Wenn unsere Eltern oder wir selbst Mutter oder Vater oder Geschwister früh verloren haben. Dieser Verlust löst immer einen großen Schmerz aus. Ist dafür kein Rahmen vorhanden, der es ermöglicht die Trauer voll auszudrücken und Abschied zu nehmen, bleiben wir in diesem Schmerz und in der Sehnsucht nach den früh Gestorbenen stecken.

Dann sind Eltern später für die eigenen Kinder nicht erreichbar und oft mit ihnen überfordert. Die Kinder erleben sich nicht gesehen, sind einsam und seelisch unterernährt. Um etwas Nähe zu erfahren und von den Eltern gesehen zu werden, versuchen sie den Schmerz der Eltern mitzutragen und identifizieren sich oft mit den früh gestorbenen Opa, Onkel, Tante, Geschwister. In einer Aufstellung wird diese Dynamik sichtbar und es ist verblüffend, weil sie nicht bewusst ist und sehr befreiend, wenn sie aufgelöst wird.

Auch Geschwister, die nicht lebend zur Welt kommen konnten, haben einen Einfluss, wenn sie nicht betrauert und verabschiedet werden. Auch wenn wir keine bewusste Erinnerung über sie haben, unser Unterbewusstsein weiß mit Sicherheit davon. Wir leben dann nicht unser eigenes Leben, sondern sind mit einem großen Teil unserer Energie bei den Toten. Oft wird dies im Alltag durch Depressionen, übertriebene Spiritualität und andere Symptome „sichtbar“.

Gewalttrauma
Für ein kleines Kind stellt schon ein Wutausbruch von Vater oder Mutter eine lebensbedrohliche Situation dar, die Todesängste auslösen kann. Für Kinder sind Erwachsene so etwas wie Götter, völlig von ihnen abhängig und ausgeliefert. Die Palette von möglichen Gewalterfahrungen möchte ich nicht weiter aufzählen.

Trennungstrauma
Auch eine frühe Trennung von der Mutter durch Krankenhausaufenthalte, Kinderkrippe, Weggabe an die Großeltern, Pflege usw., können Verzweiflung, Ängste und eine lebenslange tiefe Verunsicherung auslösen. Andauernde Nähe-Distanz-Konflikte zu den Eltern und anderen Menschen sind sehr oft die Folgen. 

Überforderungstrauma
Sind Eltern nicht in ihre Kraft, sind sie in Gefahr, sich über die eigenen Kinder auzubauen ("mein Kind gibt mir Halt und Sinn"). Das kann für die Mutter oder den Vater tatsächlich lebensrettend sein, doch für ein Kind ist es eine Überforderung.
Wennn Eltern starke Konflikte miteinander haben und ihr Kind als Vermittler, Seelsorger, Puffer, Ablenker benutzen.
Wenn ein Elternteil nach der Trennung vom Partner/Partnerin, dass Kind als Partnerersatz benutzt, sein Kummer dem Kind  mitteilt, das Älteste Kind zu Erziehung der anderen Kinder benutzt, hohe schulische Leistungen vom Kind erwartet u.a.
Wenn ein Elternteil ein Kind gegenüber dem anderen vorzieht ("erst kommt mein Töchterchen, dann kommst du Frau", und umgekehrt).

Unfälle
Dann persönliche Unfälle und Unfälle, durch die andere schwer geschädigt oder zu Tode gekommen sind.

Diese Aufzählung deckt nicht das gesamte Spektrum von Ereignissen mit traumatisierenden Wirkungen ab. Hierfür ist eine persönliche Anamnese erforderlich

Merkmale und Folgen eines Traumas

Wenn wir Menschen lebensbedrohlichen Ereignissen ausgesetzt sind, wo wir weder kämpfen noch flüchten können, schaltet sich automatisch ein drittes, genetisch verankertes Programm in uns ein: Unsere Lebensenergie wird eingefroren. Ängste, Panik, Verzweiflung, Aggressionen, Einsamkeit und Trauer werden nur noch unterschwellig gespürt. Wir passen uns an, sind nicht mehr wir selbst und haben unsere Autonomie verloren. Das traumatisierende Ereignis beeinflusst und bestimmt unser Leben, als wäre es nicht vorbei. Die Angst, verlassen zu werden, nicht wertvoll zu sein, von anderen bedroht zu werden, schuldig zu sein, nicht richtig zu sein, leisten müssen, um geliebt zu werden, bestimmen unser Leben.

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Diese Ängste zeigen sich durch innere Unruhe, negative Gedanken über sich selbst, über andere und über das Leben insgesamt. Auch wenn diese Gedanken und innere Bilder nicht bewusst sind, führen sie zu chronischen Konflikten, Scheitern, Einsamkeit, Zwängen, psychosamtischen Krankheiten, Psychosen, Gewalt, ... (siehe auch "Die Suche nach uns selbst").

Zum Zeitpunkt des Trauma war es überlebensnotwendig unsere Lebenenergie einzufrieren und uns nicht zu spüren. Doch wir hängen dann im traumatisierenden Ereignis fest und können uns nicht weiterentwickeln. Viele Traumaforscher haben beobachtet, dass wir später uns immer wieder neu in ähnliche Situationen bringen (Wiederholungen von Unfällen, Verlassenheits-, Gewalt- oder Verlustereignisse, die eine Retraumatisierung darstellen).

Eine weitere Folge ist, dass traumatisierte Eltern nicht für einander und auch nicht für ihre Kinder da sein können. Die Partnerin, der Partner und die Kinder werden dann gebraucht, um selbst Halt zu bekommen. Sie werden gar nicht gesehen, da der innere Blick nach hinten, zum Trauma, gerichtet ist. Die Kinder müssen für ihre traumatisierten Eltern dasein und sich nach ihr oder ihm richten. Sie werden für das eigene Glück gebraucht. Fast immer machen Kinder das freiwillig (aus einer eigenen Überlebensnot). Sie erleben die Eltern als schwach und in Not und meinen die Eltern unterstützen und retten zu müssen. Doch oft auch stark fordernd, manipulierend oder gewaltätig. Das ist immer zum Scheitern verurteilt und Konflikte sind vorprogrammiert. Kinder vernachlässigen dann das eigene Leben und Glück, die Achtung vor den Eltern und vor sich selbst gehen verloren. Viele versuchen sich auch in Sicherheit zu bringen, in dem sie den Kontakt zu den Eltern abbrechen oder weit wegziehen. Doch das Inneren gespeicherte Trauma ist dadurch nicht aufgelöst. 

Da die Erfahrung des eigenen unzerstörbaren Selbstwertes, Selbstliebe, eine gesunde Abgrenzung und damit Autonomie nicht möglich sind, wird das Trauma sehr oft an die nächste Generation weiter gereicht. Natürlich sind auch Konflikte und oft das Scheitern der Paarbeziehung vorprogrammiert. Besonders, wenn beide nicht in ihrer Autonomie sind.

Die Suche nach uns Selbst

Sind wir nicht mit uns selbst, mit unserem wahren, wunderbaren Wesen verbunden, suchen wir es in anderen Menschen, da der Weg zu uns selbst durch das Trauma blockiert ist. Oder/und da diese Suche erfolglos und enttäuschend enden muss, in Dingen und materiellen Werten, an fernen Orten, in Büchern, durch Statussymbole, in einem übermäßigen Genuss, in Drogen oder in tollen Erlebnissen, um die Einsamkeit oder die Unruhe weniger zu spüren.

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Wir sind uns selbst fremd geworden, oft ohne zu wissen, wie es ist, in uns selbst zu Hause zu sein. Manche von uns warten und warten, und hoffen, dass irgendetwas im Außen sich verändert, um dann glücklich sein zu können. Doch es passiert nicht. Oder, wenn doch, ist das Glück nur von kurzer Dauer. Denn unser wahres Selbst ist durch nichts ersetzbar. Alle Versuche es im Außen zu finden, führen logischerweise Weise zu einer weiteren Selbstentfremdung. Wir merken das auch an chronischer Anspannung, Unsicherheit, Leben auf Sparflamme, Burnout, Depression, Unentschlossenheit, unterschwelliger Aggressivität, Machtansprüche, Zwanghaftigkeit und Einsamkeit.

Die Rückgewinnung unserer Autonomie

Eine Autonomieaufstellung macht diese Dynamik deutlich. Es steht nicht mehr die Familie mit ihren ungelösten Traumata im Vordergrund, sondern unsere „Herauslösung“ und Abgrenzung aus diesen Ereignissen, so dass sie uns heute nicht mehr blockieren, selbstbestimmt und gesund leben zu können. Wir lassen diese Ereignisse bewusst vorbei sein – entlassen sie aus unserem Körper, unserer Seele und unserem Geist.

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Wir entlassen sie nicht nur – nein, in einer Autonomieaufstellung werden Sie selbst diese regelrecht hinaus transportieren! Dazu gehören auch Glaubensätze und alles Fremde, was den Blick für Ihre eigene Lebensquelle versperrt, stellen Sie heraus und verabschieden Sie aktiv. Die Ausrichtung auf andere wird anschließend bis auf ein gesundes Minimum vorbei sein. Diese Veränderungen werden Sie sofort durch eine tiefe Erleichterung und Präsenz in sich selbst spüren!

Anschließend können Sie sich dem Vertreter / der Vertreterin für Ihr wahres und erwachsenes Selbst zuwenden. Während der Aufstellung wurde durch den Abstand von ihr auch die Trennung von uns selbst und damit die persönliche Entfremdung sichtbar. In der Aufstellung nun die greifbare Möglichkeit zu haben, sich selbst zu begegnen, wie in einem Spiegel zu sehen und sich zu spüren, ist für viele sehr berührend! Zu erleben, wie kraftvoll, wunderschön und klar man eigentlich ist, erweckt Zuversicht und Lebensfreude in uns! Ich lade Sie ein, diese Erfahrung selbst zu machen. Denn das ist nicht vorherzusagen, wie Sie diese individuelle Begegnung mit sich selbst erleben werden. Auch das Kindheits-Selbst kann mit aufgestellt werden und so kann das Kind, das ja immer noch in uns ist, sich endlich willkommen, geborgen und beschützt erleben und sich endlich tief entspannen!

Die Verbindung mit einer gesunden Aggression

Selbstschutz und Selbstbestimmung sind nur durch Abgrenzung möglich. Hierzu brauchen wir den angstfreien Zugang zu einer jeweils angemessenen, gesunden Aggression. Doch wer sich als Kind erlaubt hatte, gegenüber Erwachsenen Stopp zu sagen oder gar wütend zu sein, wenn sie grenzüberschreitend, schwach oder unehrlich waren, brachte sich dadurch in der Regel in große Gefahr. So mussten wir als Kinder lernen, Widerspruch bis Wut uns reflexartig zu verbieten oder zumindest stark im Zaum zu halten.

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Brav und gehorsam sein und die, von den Erwachsenen erwünschten Leistungen zu erbringen, waren gefragte Werte. Im Erwachsenalter merken wir dies, an einer gewissen Sprachlosigkeit in Konfliktsituationen, Überempfindlichkeit, ein Leben auf Sparflamme, oder wir halten lange aus und dann kommt es zu einer überschüssigen Aggression (Überabgrenzung).

Mit Hilfe einer Autonomieaufstellung ist Schluss damit. Die Abgrenzung gegenüber wichtigen Personen und auch gegenüber der Vergangenheit können Sie neu und mit aller Deutlichkeit einüben und damit das Abgrenzungsverbot in Ihrem neuronalen Netzwerk überschreiben! Der Gewinn ist eine spürbare Zunahme an Vitalität. Sie wissen nun, dass Sie sich abgrenzen und schützen können – Sie haben das Recht dazu und erleben, dass Sie auch den Mut und die Kraft dazu in sich haben! Das bewirkt eine oft nie gekannte Selbstsicherheit und Zuversicht.

Die Verantwortung für uns selbst hat Vorrang

Du bist für dich selbst der wichtigste Mensch! Dieser Satz stösst bei vielen als Egoismus auf. Doch eine glückliche Beziehung mit sich selbst ist die Voraussetzung, um mit anderen glücklich zu sein. Sonst sind wir in Gefahr, uns in die inneren Angelegenheiten anderer einzumischen. Es kommt zu Grenzüberschreitungen und zu schwer lösbaren Konflikten.

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In sich selbst zu Hause zu sein, die Verantwortung und das Sagen für das eigene Leben zu haben, bedingt auch, dass wir nicht versuchen, anderen zu sagen, wie sie sein sollten (auch nicht in Gedanken!). Manipulationen, Machtmissbrauch, Einmischung in die Angelegenheiten anderer, Sorgen, die uns selbst schwächen (Helfersyndrom) sind jedoch nicht mehr erforderlich, wenn wir mit uns selbst verbunden sind.

In einer Aufstellung machen wir diese Dynamik sehr konkret bewusst und Sie lösen sich Schritt für Schritt aus dieser grenzüberschreitenden Verantwortungsübernahme für andere. Sie erleben, wie befreiend für alle Seiten es ist, zu allererst für sich selbst verantwortlich zu sein. Nun können sich auch andere viel besser um sich selbst kümmern. Sie selbst sind für sich der wichtigste Mensch auf dieser Welt! Und andere auch für sich!

Die Zustimmung zum eigenen Schicksal

Es ist eine alte Weisheit, dass nur durch ein Ja zum Leben, wie es war und ist, das Leben gemeistert werden kann. Hadern, Vorwürfe, Selbstmitleid und auch Schönreden schwächen uns. Wir leben dann mehr in der Vergangenheit, sehen die vielen Möglichkeiten in der Gegenwart nicht, und haben zu wenig Kraft für das, was ansteht. 

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Dann leiden wir heute nicht auf Grund der schlimmen Ereignisse, die ja vorbei sind, sondern durch das nicht aufgelöste Trauma in uns und die damit verbundene Trennung von uns Selbst.

So erfolgt in einer Autonomieaufstellung nach der Auflösung und Abgrenzung zum Trauma und/oder einer symbiotischen Beziehung, die Zustimmung zum eigenen Schicksal mit Hilfe eines weiteren Rituals.

Dadurch kommen wir weiter tiefer mit uns selbst in Verbindung und erfahren ungeahnte Kräfte, die es uns ermöglichen unser Schicksal, so wie es war und im Augenblick ist, zu tragen. Wir können etwas leisten, was wir ohne dieses konkrete Schicksal nicht könnten. Mitunter können wir das bei Menschen beobachten, die Schweres erlebt haben und doch eine Kraft und wohltuende Heiterkeit ausstrahlen.

Diese Zustimmung gelingt jedoch nur, wenn sie mit ganzer Seele erfolgt. Eine reine kognitive Zustimmung reicht nicht aus, wir sind weiter blockiert. In einer Autonomieaufstellung können wir das sehen, es bewusst annehmen, verabschieden und vorbei sein lassen. Der Blick für das heutige und zukünftige Leben ist nun frei.

Gewaltfreie Kommunikation und Autonomieaufstellungen – Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Ergänzungen

Das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg ist, mit Hilfe einer authentischen und wertschätzenden Kommunikation unsere Beziehungen so zugestalten, dass es uns selbst und anderen gut geht. Die GFK ist kein Modell, um gezielt alte Wunden, Verstrickungen und Identifizierungen sichtbar zu machen und aufzulösen.

Auch wenn es in Vertiefungsseminaren der GFK inzwischen viele Techniken und Übungen gibt, Selbstheilung zu vertiefen, Glaubensätze aufzulösen, die Fähigkeit klar nein zu sagen und unsere Selbstbehauptung zu trainieren, erreichen diese Übungen nach meiner Erfahrung nicht die Tiefe und die Wirkung einer Autonomieaufstellung.

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Die GFK, wie auch die Autonomieaufstellungen sind beides Wege zu uns selbst, zu einer inneren Klarheit und Freiheit. Doch ich kenne keine wirkungsvollere Strategie, um Selbstempathie in Form von Selbstannahme, Selbstliebe, Selbstwertschätzung und Selbstbehauptung zu erleben und zu trainieren, wie es in einer Autonomieaufstellung praktiziert wird.

Die Empathie für andere, die in der GFK eine große Rolle spielt und geübt wird, ist nicht im Fokus einer Autonomieaufstellung. Hier ist die Achtung des anderen und das Lassen, genauso wie er ist, wichtig. Hier geht es um Anerkennung und um Abgrenzung, als Voraussetzung für ein Miteinander auf Augenhöhe. Hier vertiefen wir gezielt unsere innere Haltung, die auch für die GFK Grundlage ist.  

Die Stärken der GFK sind sehr vielseitig. Sie bietet uns eine Menge an Kommunikationswerkzeugen, die natürlich nur nützlich sind, wenn wir bei uns selbst, in einer inneren Haltung von Wertschätzung sind und uns im Gebrauch dieser Werkzeuge üben. Diese Kommunikationswerkzeuge werden in einer Autonomieaufstellung nicht vermittelt.

Unsere Sprache ist oft verletzend. Die GFK hilft uns, dies zu erkennen und sinnvoll zu verändern. Sie hilft uns mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen in Verbindung zu kommen und klare Bitten zu äußern.

Die GFK ist tatsächlich ein wunderbarer Weg zu uns selbst und eine geniale Hilfe für die praktische Gestaltung unserer Beziehungen im Alltag. Bevor ich hier ins Schwärmen komme, verweise ich auf meinen Artikel „Warum ich von der GFK begeistert bin“.

Doch die GFK erfordert viel, viel Übung und wir kommen mitunter bei der Umsetzung an unsere persönlichen Grenzen. Zum einen, wenn uns noch Erfahrungen, Wissen und Übung fehlt und wenn sich alte Wunden (Traumata) melden. Dann sind wir durch den nicht geheilten Schmerz in der heutigen Situation blockiert. Hier setzt die Stärke der Autonomieaufstellung, wie oben beschrieben, ein! Oft ist es nicht mit einer Aufstellung getan. Vielleicht braucht es 2 bis 5 Aufstellungen, denn die meisten von uns tragen nicht nur ein Trauma, sondern mehrere in sich. Doch es wird von Aufstellung zu Aufstellung leichter und klarer, als würden wir jedes Mal etwas mehr fremdes Gepäck abgeben, wodurch Lebensströme in uns frei werden.

Aufstellungen können viele GFK-Trainings und Übungsstunden ersparen! Anderseits machen GFK-Trainings uns die Feinheiten von Grenzüberschreitungen bewusst und unterstützenn uns in der sprachlichen Gestaltung unserer Beziehungen, wie wir wertschätzend und authentisch, selbstverantwortlich und miteinander das Leben gestalten und genießen können.
Deswegen liebe und schätze ich beide Wege. Sie ergänzen sich gegenseitig auf wunderbarer Weise!